Frühlingserwachen auf dem Ramsberg in Laubach


Der Schäfer Ottmar Wirth zusammen mit Ludwig Schneider beweidet mit seiner Schafherde zweimal im Jahr die Fläche auf dem Ramsberg in Laubach


Kooperation Landwirte-Imker-Jäger Grünberg startet in den Frühling


Corona verändert das Leben, macht aber auch kreativ, darüber waren sich der Verein für landwirtschaftliche Fortbildung und die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V. einig.
Es war Tradition, dass sich in Frühjahr die Landwirte trafen, um die Einsaaten zu begutachten und Tipps für die weitere Pflege auszutauschen. Am Schluss kam man auf dem Hof des Landwirts zusammen, der seine Felder präsentiert hatte und pflegte  bei Bratwurst und Brötchen die Kontakte untereinander. Seit Beginn der Pandemie wird nun ein Video zu der Feldbegehung erstellt und dann digital an die Landwirte weitergeleitet. In diesem Jahr wurde am Schluss der Begehung der Ramsberg besucht, dessen Pflege der Streuobstbestände seit Jahren die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e. V. ausführt. Auch hier mussten die Schnittlehrgänge, die die Baumwarte des Vereins ausführen, der aktuellen Situation angepasst werden. So beschränkte man sich in diesem Jahr zusammen mit Elvira Pesch, Horst Wagner und Uwe Stöckel darauf, Bäume zu schneiden, ohne dass die Baumpaten vor Ort waren. „Wichtig ist, dass die Bäume erhalten bleiben und das Obst im Herbst reichhaltig geerntet werden kann, so Ottfried Weber, Vorsitzender der Naturlandstiftung.
Für die Landwirte wurde ebenfalls ein Video erstellt, auf dem Gabriele Winter, Öffentlichkeitsarbeit der Naturlandstiftung, den Ramsberg in seiner ökologischen Bedeutung vorstellte, die auf Jahrhunderte zurückreicht. Die Landwirte begeisterte der Artenreichtum und der gute Pflegezustand des Areals. Sie waren sich einig, ein neues Kleinod entdeckt zu haben.
Daher nutzten sie die Gelegenheit, die diesjährige Samenmischung zur Anlage von kleinen Blühflächen vorzustellen, die Insekten fördern und damit für eine reiche Obsternte sorgen. Der Samen wird traditionell von der Firma Bayer Crope Science gesponsert und wurde durch den landwirtschaftlichen Berater Wolfgang Falkenstein der Kooperation übergeben. Ein Samentütchen  mit 15 g reicht für die Aussaat von 2 qm.
Da auch hier kreative Lösungen gefragt sind, einigte man sich darauf, dass man die Samentütchen jeweils am Hoftor von Peter Schäfer, Andre Linker und Gabriele Winter kostenlos abholen kann. Es bleibe die Hoffnung, dass viele Grünberger Bürger das Angebot nutzten und auch in diesem Jahr Grünberg wieder erblühe, resümierte Peter Schäfer, Verein für landwirtschaftliche Fortbildung

Peter Schäfer 0171 2064722, Andre Linker 0151 11713485, Gabriele Winter 0173 6515971

Gabriele R. Winter 20210421


Vom artenarmen Grünland zum Insekten-und Schmetterlingsbiotop


Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung in Gambach bei der Einsaat

Naturlandstiftung widmet Grünflächen um
Jahrelanges Mulchen, intensives Düngen und die Gewinnung von Silage führen zwangsläufig zu rückläufigem Artenreichentum auf Grünlandflächen. Damit verlieren auch Insekten ihre Lebensgrundlagen.
Die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V. hat sich daher auf die Fahnen geschrieben, Projekte zu fördern, deren Ziel es ist, bestehendes Grünland durch Neuansaat artenreich und naturnah zu gestalten.
In Dorf-Güll, einem Stadtteil von Pohlheim, wurden zwei gemeindeeigene Flächen dafür zur Verfügung gestellt. Dazu mussten zunächst die bestehenden Pachtverträge überprüft und gekündigt werden. Nicht immer war der eingetragene Pächter auch  der Nutzer der Fläche.
In einer Nutzungsvereinbarung wurden die Gestaltung und die Nutzung festgelegt.
Um das Projekt auf solide Füße zu stellen, fertigte Dipl.-Ing.agr. Markus Wieden vom Büro für Landschaftsanalyse Wetzlar eine detaillierte Bestandsaufnahme der beiden Flächen an und beriet die Naturlandstiftung zur Anlage und Pflege.
Im Rahmen von Diversitätsmaßnahmen förderte das Regierungspräsidium Gießen die Maßnahme.
Zur Vorbereitung der Ansaat sollte der Boden unkrautfrei und frei von Pflanzenresten sein, die nochmals auskeimen könnten. Die beiden Flächen wurden daher im Herbst gepflügt. Im darauffolgenden Frühjahr konnte dann eine weitere Bodenbearbeitung durchgeführt werden. Durch Grubbern und Kreiseln entstand ein feinkrümeliges Saatbeet, in das der Samen möglichst oberliegend eingebracht und anschließend gewalzt wurde. Diese Arbeiten führte  Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung in Gambach professionell aus.
Die Fläche „vor dem Eschenröder“ (660 qm) wurde mit der Saatgutmischung „Blumenwiese“ klassisch“, Wildsaaten Wetzlar,  eingesät. Die Fläche hat eine lange Sonnenbescheinung, grenzt aber an eine Hanglage mit Weissdorn, der noch gestutzt werden sollte.
Markus Wieden wies daraufhin, dass es sich hier anbiete, einen Teil des Hangs als offenen Boden liegen zu lassen. Gerade diese Bereiche würden in der Landschaft immer weniger, böten aber vielen Tierarten Lebensraum.
Auf der Fläche „Am Wolfsgraben“ (3400 qm) wurde eine Glatthaferwiesenmischung, Wildsaaten Wetzlar,  verwendet. Zusätzlich wurde ein Schmetterlingssaum an den Rändern angelegt.

Mit dem Schafhalter Thomas Klee, Pohlheim-Holzheim, wurde die Pflege der Grundstücke vereinbart. Es erfolgt eine Mahd nach dem ersten Juli und eine schonende Beweidung durch Schafe im Herbst. Ziel ist dabei, dass die Flächen möglichst kurzrasig in den Winter gehen.
Durch die Klimaerwärmung und die damit verbundenen trockenen Frühjahre wird es immer schwieriger, solche Flächen erfolgreich anzulegen. Eine Einsaat im Herbst sollte dabei immer eine Alternative sein, da durchaus manche Pflanzen zum Auflaufen einen Kältereiz bräuchten. Werde im Frühjahr ausgesät, fände man sie dann erst im folgenden Jahr auf der Fläche, führte Markus Wieden aus.
Die Naturlandstiftung wird die Entwicklung der Flächen dokumentieren, das Projekt evaluieren und darüber berichten.

Gabriele R. Winter 04.04.2021


Die Frühjahrsmüdigkeit greift um sich



Blühflächen auch im Winter ein Magnet für Tiere


An diesem Foto wird deutlich,, welche Anziehungskraft mehrjährige Blühflächen auch im Winter haben. Vögel sammeln dort z. B. die Samen ein.

Ein lob an den Landwirt, dass er diese Fläche auch im Winter stehen lässt.

Gabriele R. Winter, 14.12.2020

 


Naturlandstiftung im Landkreis Gießen feiert 10 Jahre nach dem Neuanfang

Gute Reise!


Schutzbemühungen um bedrohte Turteltauben


Das Kooperationsprojekt des NABU Bundesverbandes und der JLU Gießen, AG Verhaltensökologie und Ökophysiologie erforscht  dazu Zugstrategien, Habitatsnutzng, Infektionskrankeiten und Nahrungsgrundlagen der Vögel

Yvonne Schumm, Doktorantin der JLU,  nahm daher mit der Naturlandstiftung Kontakt auf, um auf einem der Grundstücke der Stiftung Fangkasten und Kamera aufzustellen. Die Turteltauben wurden mit Futter angelockt und anschließend besendet.

Bereits bis zum Juni kamen so genügend Tiere zusammen, sodass nun die Daten ausgewertet werden können. Ziel des Projektes ist es, durch die Erforschung der Lebensweise der Turteltauben, Strategien für den Schutz der bedrohten Tauben ausarbeiten zu können.


Natürlich wurden durch das Nahrungsangebot auch andere Tiere an dem Fangkorb angelockt.

Wer Interesse an dem Projekt hat, findet unter dem link weitere Informationen

https://blogs.nabu.de/zugvoegel/

 

Wir wünschen Frau Schumm viel

Erfolg bei ihrer weiteren Forschungsarbeit!

 

Bilder: L.Wegner


 Imker- Jäger- Landwirte
    ein Team- ein Ziel

Der Fachvortrag wurde aufgrund der angespannten gesundheitlichen Situation in Deutschland abgesagt

                        

      Fachvortrag

             Moderne   

    Landwirtschaft
          im

   gesellschaftlichen

         Dialog

   Karl Eschenbacher,

    Leiter Bayer  

   ForwardFarming


  

 

     

  

                     Dienstag,17.03.2020    

                              19.30 Uhr  

                            abgesagt!!!                                                                                                           Gallushalle Grünberg

Die Zukunft meistern heißt, einen Dialog mit allen Beteiligten zu führen.


Die Kooperationspartner laden dazu ein:

      -Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Grünberg

      - Bienenzuchtverein Grünberg e.V.

      - Naturlandstiftung Landkreis Gießen e.V.

      - Jagdverein Hubertus Gießen e.V.

      - Crope Science Bayer GmbH

      - Stadt Grünberg


13.12.2019, aber kein Weihnachtsmärchen


Liebe Naturfreunde,

dieses Bild habe ich heute Morgen am 13.12.2019 auf einer mehrjärigen Blühfläche neben der B 49 aufgenommen. Es hatte geschneit, die Temperatur war um Null Grad und auf der Blüte der Ringelblume saß ein Insekt.

So weit nicht spektakulär. Mich hat es unheimlich gefreut. Ich bin Beführworterin von mehrjährigen Blühflächen, deren Blüten- und Fruchtstände nicht abgemulcht werden, sondern im Winter so stehen bleiben. Das sich das lohnt, wenn man Insekten fördern will, zeigt das Bild.

Leider ist das aber noch nicht der Standard. Meist werden Blühflächen spätesten im Herbst abgemäht oder noch schlimmer gemulcht. Damit wird eine große Chance vertan, insekten auch im Winter Nahrungsangebot und Lebensraum zu geben.

Die Naturlandstiftung setzt sich seit Jahren dafür ein, mehrjährige Blühstreifen bzw. Blühflächen anzulegen. Der oben genannte Blühstreifen liegt zwischen zwei Senfschlägen. In dem feuchten Senfkraut findet man weder Hasen noch Vögel. Es ist einfach zu naß und der Bewuchs zu dicht. In dem kleinen Blühstreifen nebenan jedoch wurde neulich eine Kette Hühner gesichtet und als ich das Foto aufgenommen habe, sprangen zwei Hasen raus.

Wir hoffen, dass solche mehrjährigen Flächen in Zukunft noch besser gefördert werden und Brachen auch über Winter unbearbeitet bleiben.

In diesem Sinne danken wir allen Unterstützern unserer Arbeit und wünschen allen Mitgliedern der Naturlandstiftung und ihren Förderern ein frohes Weihnachtsfest und einen guten Start in das Jahr 2020.

Für mich war es heute schon fast wie Weihnachten!

Gabriele R. Winter, 13.12.2019


Umsichtige Landschaftspflege


So kann es auch gehen. Hier hat ein Landwirt nicht alles gleich wieder abgeraspelt, sondern den Nachwuchs aus der Blühfläche des letzten Jahres wieder hochkommen lassen und in die Bestellung seines angrenzenden Ackers integriert.

Heraus kommt dabei nicht nur eine kleine Nische für Insekten und Kleinlebewesen, sondern auch noch ein schönes Fotomotiv.

Das Beispiel sollte Schule machen.

Das ist die Lageübersicht des Streifens. Es zeigt den Feldweg zwischen Stangenrod und Beltershain.

Gabriele R. Winter 28.07.2019


Poolparty

Vögel brauchen bei dieser Witterung Wassertränken. Dazu braucht man nichts kaufen. Es reicht ein Blumenuntersetzer, den man möglichst täglich mit frischem Wasser auffüllt.

Wer einen Gartenteich hat, sollte trotzdem zusätzliche Wassertränken aufstellen. Der Gartenteich ist vor allem kleinen Vögeln manchmal unheimlich.

Gabriele R. Winter, 24.07.2019


Warum Disteln einen Sinn machen

Gabriele R. Winter, 22.07.2019


Tipps für einen insektenfreundlichen Garten

Blumenkästen lassen sich ganz einfach zu einem Insektenparadies verwandeln.

Im April/ Mai oder auch noch bis Juni einjährige Blühmischungen in den Kasten aussäen. Es blüht dann bis zum Frost und freut alle Insekten.

Als ich gestern an meinem Schreibtisch saß, entdeckte ich zwei Distelfinken in dem Kasten. Es ist lange her, dass ich die Vögel im Garten beobachten konnte. Leider war ich mit der Kamera zu spät. Aber als ich in den Garten ging, entdeckte ich einen der Vögel in einer kleinen Blühwiese. Jeder kleine Platz eignet zur ihrer Anlage.

Majoran ist ein beliebtes Küchengewürz. Seine rosa Blüten zieren jedes Gartenbeet. Er ist anspruchslos und gedeiht auf jedem Boden. Wildbienen zieht die Pflanze wie ein Magnet an.

Also es lohnt sich, Gewürze auch mal ausblühen zu lassen.

Gabriele R. Winter 06.07.2019


Bergmähwiesen im Vogelsberg


Im Rahmen einer Mitgliederversammlung des Gesamtverbandes "Naturlandstiftung Hessen" stellte Anja Püchner, Leiterin des Amtes für Wirtschaft und dem ländlichen Raum, zusammen mit Mitarbeitern das Projekt "Bergmähwiesen im Vogelsberg" vor. Der Schutz der Artenvielfalt und  eine  verträgliche Bewirtschaftung der Flächen sind die Zielsetzungen. Jährlich findet auf den Wiesen das Bergmähwiesenfest statt, bei dem sich Bürger und Bürgerinnen über die Bedeutung dieser Flächen für den Naturhaushalt informieren können. Insbesondere sollen wertvolle Insekten geschützt werden, was bestimmte landwirtschaftliche Bearbeitungsmethoden verlangt.


Die Pflege der alten Obstbäume am Ramsberg in Laubach gehört zu den Arbeitsschwerpunkten der Naturlandstiftung. So wurden auch in diesem Frühjahr die Bäume inspiziert und Pflegemaßnahmen durchgeführt.. Dazu wurden die jungen Bäume, die im Herbst gesetzt wurden, in Form geschnitten. Gerade am Anfang des Wachstums ist es wichtig, unerwünschte Triebbildungen zu verhindern, damit zuletzt ein gesunder kräftiger Baum reichlich Früchte tragen kann.

Gabriele R. Winter 20.03.2019


Was können wir tun,um Bienen und Bestäuber zu unterstützen?


Fachvortrag der Kooperation zwischen Imkern, Landwirten und Jägern in Grünberg

 

 

In den bis auf den letzten Platz besetzten Condomerstuben der Gallushalle in Grünberg referierte Dr. Reinhold Siede, Agraringenieur des Bieneninstituts Kirchhain vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen(LLH) über „Schwund und Schutz von Bienen und Bestäubern. Was können wir tun?“

 

 Unstrittig sei dabei, dass 75 % der Insektenmasse verschwunden sei, was auch durch die Krefelderstudie 2017 belegt sei. Besonders Ameisen, Wespen und Großschmetterlinge stünden auf der Roten Liste. Bei der Honigbiene könne dabei kein gravierender Rückgang verzeichnet werden. Im Gegenteil, die Zahl der Imker wachse stetig, die Honigbiene werde gut betreut.

 

Anders sehe es bei den Wildbienen aus. Die Ursachen dafür seien vielfältig, führte Siede aus. Klimawandel, Verlust und Veränderung der Lebensräume, Urbanisierung, Lichtverschmutzung, Städtebau, intensivere Landwirtschaft und invasive Pflanzen und Tiere könnten für den Rückgang der Insekten verantwortlich sein. Am Ende der Kette stünde dann auch noch der Verbraucher, der heute nur 15 % seines Einkommens für Nahrungsmittel ausgebe, 1850 seien es 61 % gewesen. Diese Preisentwicklung habe die landwirtschaftliche Produktion verändert.

 

Selbst wenn Betriebe von intensiver Grünlandbewirtschaftung auf extensiven Anbau umstellten, dauere es Jahre, bis die Pflanzenarten wieder zunähmen. Trotzdem sei die Liste der Maßnahmen lang, die zu einer Verbesserung der Nahrungs- und Lebenssituation der Insekten führen könne: Flächen zum Feldfutteranbau nutzen, Untersaaten in Getreide- und Maisschlägen, Anbau von Wildpflanzen zur Einspeisung in die Biogasanlagen, Anlage von bienenfreundlichen Sonderkulturen, wie z. B. Lein, Anbau von Zwischenfrüchten und Agroforstsysteme zählten dazu.

 

Einen besonderen Schwerpunkt legte Reinhold Siede auf den Anbau von Blühflächen und Blühstreifen.  Wichtig sei dabei zu beachten, dass die vorgesehene Fläche möglichst sauber sei. Um den Wuchs von nicht erwünschten Beikräutern zu verhindern, empfehle sich das Anwalzen, das das schnelle Auflaufen der Wildsaaten fördere. Besonders führe z.B. der Anbau der Kornblume durch den Aufschluss der Bodennährstoffe zu einer steigenden Bodenfruchtbarkeit bei Anschlusssaaten. Auch Grasland lasse sich durch eine umbruchlose Ansaat und einem anschließenden Schröpfschnitt mit Blütenpflanzen durchsetzen. Aber alle Mühe sei umsonst, wenn anschließend die Flächen nur abgemulcht würden. Das sei bedauerlicherweise gerade auch an Wegrändern, Gräben und Hängen der Fall, die durch die Kommunen gepflegt würden. Um solche Flächen langfristig zu erhalten, bedürfe es einen späten Schnitt und das Abfahren des Schnittgutes.

 

Im LLH gebe es eine Arbeitsgruppe, die dazu forsche: welche Pflanzen auf den Blühflächen haben welchen Nutzen für bestimmte Insekten und welcher Standort ist dann dafür geeignet? Als Schlüsselpflanzen hätten sich bereits die Färberkamille, Gänsefuß, Phaselia und Schafgarbe herausgestellt. Viele Insekten seien Spezialisten, die z.B. auf Grund ihrer Anatomie nur bestimmte Pflanzen anfliegen könnten. Der Bauernverband habe bei seiner aktuellen Saatmischung für Blühflächen das berücksichtigt. Aber auch  Betriebe der Saatgutherstellung berücksichtigten diese Faktoren.

 

Die Auseinandersetzung mit der Thematik des Artenschwunds führe zu einigen Zielkonflikten. So stünden Brot oder Blüte sich gegenüber, Pflanzenbau und Naturschutz, kommunale Interessen und Bestäuberbedürfnisse. Am Ende stehe der Konsument.“ Jeder kehre vor seiner Tür und die Welt ist sauber“, formulierte Siede seine These.  In jedem Hausgarten gebe es zahlreiche Möglichkeiten, den Insekten Nahrungsgrundlagen zu schaffen, z.B. durch das Anlegen einer Wildecke, Kräuter in die Blüte kommen lassen oder den Garten durch Pflanzen mit ungefüllten Blüten aufwerten. Mähroboter und die um sich greifende Steinkultur in Vorgärten seien der Tod unserer Insektenwelt. Diese Aussagen fanden eine vehemente Unterstützung bei der Zuhörerschaft.

 

Samuel Grutzky, Vorsitzender des Bienenzuchtvereins Grünberg und Umgebung e. V. dankte Dr. Reinhold Siede für seinen kompetenten Vortrag und verband dabei die Hoffnung, dass weiterhin in einem gemeinsamen Dialog Verbesserungen erreicht würden. Dazu trage die jahrelange gute Kooperation mit dem Verein für landwirtschaftliche Fortbildung Grünberg, der Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e. V., des Jagdvereins Hubertus Gießen und Umgebung e.V., der Stadt Grünberg und Bodo Peth, landwirtschaftlicher Berater der CropeScience Deutschland GmbH, bei.

 

Gabriele R. Winter 20.03.2019

 


"Unsere Kulturlandschaft ist kein Golfplatz"


Dr. Heino Steinmetz referiert über Pflegemaßnahmen im Offenland

 

 

 

„Unsere Kulturlandschaft ist kein Park und bedarf naturrelevanter Pflegemaßnahmen“, betonte Dr. Heino Steinmetz aus dem Sprecherteam des Arbeitskreises „Lebensraum Feldwege der Biodiversitätsstrategie des Landkreises Gießen“. 

 

Die Naturlandstiftung des Landkreises e.V. hatte anlässlich der Jahreshauptversammlung  2019 zu dem Vortrag geladen.

 

 

Zunächst zeichnete Steinmetz ein düsteres Bild der augenblicklichen Situation im Offenland. Feldwege verschwänden lautlos in der Landschaft, Gräben würden bis zur Wurzel bereits im Frühjahr von den Kommunen abgeraspelt, Randstreifen würden abgespritzt, die Einsaat der landwirtschaftlichen Flächen geschehe bis zum Wegesrand. Dadurch würden wichtige Linearstrukturen zur Biotopvernetzung zerstört. „Wo bitte soll bei diesen ausgeräumten Flächen z.B. der Hase im Oktober Deckung finden? Wenn Sie auf die Feldflur im Herbst sehen, bleiben nur Krähen und Mäuse übrig“, führte Steinmetz aus.

 

 

Eigentümer der Wege, Randstreifen und Gräbenränder seien wir alle. Mit der Verwaltung hätten wir die Kommunen beauftragt. Steinmetz rief dazu auf, dass Bürgermeister und Bauhöfe ihr Augenmerk verstärkt auf die Offenlandbereiche ihrer Gemeinde lenkten. Lobenswert hob er dabei die Gemeinde Reichelsheim hervor, die per EDV einen Pflegeplan erstellt habe, der die Belange der einzelnen Biotope berücksichtige und dadurch eine Rückmeldung über die getätigten Pflegemaßnahmen möglich mache.

 

 

So reiche es per Verordnung z.B. aus, wenn angelegte Honigbrachen erst spät im Herbst gemulcht würden. Graswege seien jedoch keine Naturschutzgebiete, sondern müssten dem Landwirt ermöglichen, seine Ackerflächen zu erreichen. Da  reiche es aber völlig aus, wenn sie partiell im Sommer einmal  mit hoher Schnitteinstellung gemulcht würden. Randstreifen an Straßen könnten einmal im Jahr immer nur wechselnd auf einer Straßenseite bearbeitet werden. Böschungshänge bräuchten nicht jedes Jahr einen Rückschnitt, um eine Verbuschung zu verhindern.

Das Wegzackern von Grenzsteinen müsse geahndet werden, da es eine Ordnungswidrigkeit sei. Demnächst werde es ein Treffen mit den Bauhofleitern geben, um über die Umsetzung der vorgeschlagenen Maßnahmen zu sprechen.

 

Zielsetzungen und Vorhaben der Arbeitsgruppe können in einer Broschüre online auf folgendem Pfad nachgelesen werden ( Landkreis Gießen- Umwelt, Bauen, Abfall – Naturschutz- Biodiversität – Formulare , Download – „Nutzung und Pflege der Feldwege“)

 

 

Ottfried Weber, 1. Vorsitzender der Naturlandstiftung dankte Dr. Steinmetz für seine kompetenten Ausführungen. Er freute sich, dass die Zielsetzungen der Naturlandstiftung sich mit denen der Arbeitsgruppe deckten. So wurde auch 2018 durch die Anlage von Blühflächen, dem Schutz von Flachwassergebieten und der Pflege von Streuobstwiesen und Feldholzinseln wieder daran gearbeitet und auch 2019 fortgeführt.

„Wir sind auf dem richtigen Weg“, betonte Weber im Hinblick auf das Arbeitsjahr 2019 in der Naturlandstiftung.

 

 

Gabriele R. Winter, 17.03.2019

 


Frühlingserwachen

Der Start in den Frühling ist noch etwas zögerlich. Aber es gibt untrügliche Zeichen. Auf unserem Nussbaum sitzt ein einsames Rotkehlchen und singt sich die Stimme aus dem Hals, in der Hoffnung doch noch einen Partner für den Frühling zu finden.

 

Das macht auch traurig. In diesem Winter war dies das einzige Rotkehlchen, das an die Futterstelle im Garten kam. Auch Grünfinken, Dompfaffen und  Buchfinken, die in den Jahren davor regelmäßig kamen, waren nicht auszumachen.

 

Auch kommt es mir so vor, als ob in diesem Jahr der Vogelgesang am Morgen wieder leiser geworden ist.

Es wird Zeit, diese Zeichen ernst zu nehmen.

Jeder von uns kann etwas tun!

 Worauf warten wir?

Gabriele R. Winter, 10.03.2019


Feldholzinsel in Reinhardshain verjüngt


Ein tatkräftiges Arbeitsteam machte sich daran, die Feldholzinsel, die 2004 von der Hegegemeinschaft Grünberg gepflanzt wurde, in ihrem Bestand zu verjüngen.

Burkhard Dörr, Landwirt aus Reinhardshain, stellte damals sein Land zur Verfügung. Durch die Anlage der Feldholzinsel konnte ein Ökokonto angelegt und dann Ökopunkte verkauft werden. Der Ertrag daraus wurde anschließend den Revieren der Hegegemeinschaft zur Verbesserung ihrer Biotope zur Verfügung gestellt.

Zur Verjüngung der Feldholzinsel wurde von Mitgliedern der Hegegemeinschaft ein Streifen der Gehölze in der Mitte gefällt. Die dichte Randzone blieb dadurch unverletzt.

Das anfallende Schnittgut konnte mit dem Häcksel von Landwirt Dörr sofort zerkleinert und dem Biotop wieder zugeführt werden.

Im nächsten Jahr wird eine weitere Schnittmaßnahme notwendig, damit die Saumzone weiterhin Windschutz- und Deckungsfunktion behält

Gabriele R. Winter 23.02.2019


Aktuelles


Fachvortrag Landwirte - Imker - Jäger - Ein Team, ein Ziel

"Ein Team - ein Ziel" ist die Überschrift des Fachvortrages, der am Dienstag, den 19. März 2019 in der Gallushalle in Grünberg stattfindet.

 

Martina Behrens, landwirtschaftliche Biodiversitätsberaterin im Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen referiert zu diesem Thema.

 

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken, Sie können sich das Veranstaltungsplakat auch gerne hier downloaden:

 

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Fachvortrag 2019 -.pdf
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Utphe 09.02.2019

Liebe Freunde des Naturschutzes,

 

das neue Jahr eilt bereits mit schnellen Schritten voran. Ein kleiner Frühlingshauch war gestern auch schon spürbar, als ich in Utphe die ersten Kraniche am Himmel gesichtet habe.

Ihr Rufen macht Mut für neue Herausforderungen im neuen Jahr.

Also packen wir es an. 

 


Trotzdem gibt es auch Weisheiten, die länger aktuell sind als ein Jahr. Es stimmt schon, dass gemeinsame Ziele, eine gute Kommunikation und die Zusammenarbeit in der Gruppe, in der jeder an dem für ihn richtigen Platz steht, zu Erfolg führen.

Und genauso gut bleibt es für einen intakten Naturhaushalt auch weiterhin wichtig, dass gegenseitige Rücksichtigkeit gepflegt wird.

Daher belasse ich die beiden Texte aus dem Jahr 2018 auch zum Auftakt in 2019.

Auf weiterhin gute Zusammenarbeit!

 

Gabriele R. Winter   

 

Öffentlichkeitsarbeit                                      Ottfried Weber, 1. Vorsitzender


Wie aus Einzelnen ein großes Ganzes werden kann


Gegenseitige Rücksichtnahme als Voraussetzung für einen intakten Naturhaushalt

Im Rahmen einer Feldbegehung zeigte  Ottfried Weber, Vorsitzender der Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V., auf, wie oft  durch bloße Achtlosigkeit Naturschutzmaßnahmen gefährdet werden können.

Im Offenland würden große Flächenbereiche zur Beweidung von Pferden, Ziegen und Schafen genutzt. Vom Frühjahr bis Herbst werden  diese Flächen eingezäunt. Leider sei es aber dann oft der Fall, dass die Litzen der Zäune im Winter nicht abgebaut werden oder Maschengeflecht dort verbleibe. Freilebende Tiere kämen dadurch in Lebensgefahr. Sie verwickelten sich in die Schnüre und könnten nur selten lebend befreit werden. 


Genauso gefährlich sei es, wenn Schnüre achtlos weggeworfen würden. Größere Vögel verwendeten diese als Nistmaterial und dann könne es vorkommen, dass die Jungvögel im Nest mit den  Ständern hängenblieben und das Nest nicht mehr verlassen könnten.

 

 In einem Land, in dem intensive Landwirtschaft, Jagd und zunehmende Landnutzung durch Freizeitaktivitäten der Bürger und Bürgerinnen aufeinander treffen, seien gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis für die unterschiedlichen Interessen notwendig, damit der Lebensraum von Tieren und Pflanzen erhalten bliebe, so Weber. Wenn dies gelingen soll, seien der Dialog und die Kooperation zwischen den verschiedenen Gruppen zu fördern. In der Region um Grünberg sei es z.B. seit Jahren guter Brauch, dass sich Landwirte, Imker und Jäger zu gemeinsamen Feldrundgängen träfen. Dort bekomme man Einblick in die Arbeitsweise und Bedürfnisse der anderen und das Verständnis für einander wachse. So informierten die Landwirte die Imker, wenn die Ackerflächen mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden müssten. Die Imker könnten ihre Bienen dann aus deren Nähe entfernen.

 

„Voneinander wissen und voneinander lernen sind die Basis für gelingenden Naturschutz“, resümierte Weber am Schluss.

 

Gabriele Winter, 08.05.2018

Bild: Klaus Lindenstruth

 


Lebensraum schaffen für Offenlandarten im Landkreis Gießen  - ein vernetztes Projekt

Oder über einen vergeblichen Versuch, bürokratische Hürden zu überwinden

Ausgehend von den positiven Erfahrungen der Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V. mit der Kooperation von unterschiedlichen Vereinen und Organisationen entstand die Projektidee, auf einer größeren zusammenhängenden Fläche im Offenland mit Hilfe der Schaffung eines Netzwerkes von Akteuren Habitate für bestimmte Zielarten zu verbessern. Durch die Nutzung von vorhandenen Kompetenzen in der Region wird die Arbeit von meist ehrenamtlich arbeiteten Menschen gewürdigt und es bringt längerfristig den Gewinn, dass geschaffene Strukturen auch über den Projektzeitraum hinaus tragfähig werden. Das in das Projekt investierte Geld kann so auf längere Zeit Früchte tragen.

 

Die Auswahl der Zielarten erfolgte auch unter dem Aspekt des Bekanntheitsgrades in der Bevölkerung, da dadurch emotionales Engagement gefördert werden kann. Da durch die Größe der angelegten Projektfläche eine Koordination der landwirtschaftlichen Maßnahmen unumgänglich ist, wird dabei die Zusammenarbeit zwischen den Landwirten gestärkt.

 

Da die ausgewiesene Fläche mehrere Kommunen und Gemarkungen umfasst, geht es nicht um Abgrenzung von Revieren, sondern um einen zusammenhängenden Lebensraum.

 

Durch den Bekanntheitsgrad der Zielarten besteht ebenfalls die Möglichkeit, in Schulen kleine regionale Aktionen zu steuern.

 

In der konkreten Projektplanung werden folgende Schwerpunkte genannt:

 

„Die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V. und der Jagdverein Hubertus Gießen und Umgebung e.V. planen das Projekt mit dem beispielhaft die Artenvielfalt (dazu gehören auch die klassischen Niederwildarten Rebhuhn und Feldhase) in der offenen Landschaft gefördert werden soll. Das Projekt soll die zur Verfügung stehenden Mittel der Agrarförderung des Landes Hessen (HALM) überbetrieblich koordinieren und in Bezug zur Biodiversitätsstrategie des Landes und des Landkreises setzen. Neben den beteiligten Betrieben sollen alle in der Region bereits engagierte Personen und Vereine im Bereich Naturschutz einbezogen werden. 

  • Mit dem Konzept soll die Zusammenarbeit der im Projektgebiet wirtschaftenden Betriebsinhaber mit den wichtigen Akteuren aus den Reihen der übrigen Jagdgenossen, den Jagdpächtern und den Landschaftspflege-bzw. Naturschutzverbänden gefördert werden. Im Fokus steht dabei die überbetriebliche Koordinierung der HALM-Förderung (HALM C.1 bis C.3.5 und E.2).
  • Die Landwirtschaft soll damit einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung der Biodiversitätsstrategie des Landes Hessen leisten und dies in der Region offensiv publizieren.
  • Innerhalb der Projektlaufzeit soll im Projektgebiet die Fläche geeigneter Habitatsstrukturen vergrößert und damit die Dichte der Zielarten Rebhuhn, Feldhase, Feldlerche, Steinkauz (vorläufige Zielartenliste) erhöht werden.
  • Im Einzelnen sollen dazu folgende Teilziele erreicht werden: 

a. Steigerung der Akzeptanz der Förderverfahren „Förderung besonders nachhaltiger Verfahren im Ackerbau und bei Dauerkulturen“ (insbesondere die HALM-Verfahren C.1 bis C.3.5 und E.2) durch konkrete Vorschläge für die Verortung und Gestaltung der Maßnahmen

 

b. Unterstützung in der fachlichen Weiterbildung zur Umsetzung der Maßnahmen

 

c. Schaffung von Strukturelementen auf Ackerflächen, die den Lebensraum für die Zielarten nachhaltig verbessern. Im Einzelnen kann dies z.B. durch die Anlage und vernetzte Platzierung von Blühstreifen, Acker- Blühstreifen, Ackerrandstreifen, Ackerwildkrautflächen oder Erosions- und Gewässerschutzstreifen erreicht werden.

 

d. Durch die Zusammenarbeit mit den kommunalen Trägern sollen Maßnahmenplanungen im Zuge von Kompensationsmaßnahmen mit den Zielen des Projektes abgesprochen werden.

 

e. Verwirklicht werden soll im Ergebnis ein Biotopverbundsystem mit Linearstrukturen und Trittsteinbiotoben. Zur Erhaltung oder Wiederbelebung der biologischen Vielfalt ist dabei von zehn Prozent der Fläche auszugehen. Dabei sollen neben den geförderten landwirtschaftlichen Flächen auch bereits vorhandenen Biotopstrukturen berücksichtigt werden. Diese bestehen aus Straßen-bzw. Wegrändern, Feldwegen, Gräben, Rainen, Uferstreifen, Feuchtwiesen, Streuobstwiesen, Tümpeln und vielem mehr. Werden die vorhandenen Lebensräume durch Linearstrukturen entlang der Äcker vernetzt und durch weitere Trittsteinbiotobe ergänzt, ergeben sich die Strukturen, die ein Biotopverbundsystem ausmachen.

 

Durch die Unterstützung des Landes wird dieses Projekt aufgewertet und die Bevölkerung nimmt wahr, dass durch den Zusammenschluss vieler Fähigkeiten und Kompetenzen neue Lösungsansätze zur Verbesserung der Biotope entwickelt werden können.“ (s. Projektmappe)

 

Die Projektvorlage erhielt viel Lob und Unterstützung in der Region und wurde im Rahmen einer Veranstaltung der Naturschutz-Akademie in Wetzlar dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz vorgestellt und dort eingereicht. Eine Rückantwort über den Verbleib bzw. eine eventuelle Förderung haben die Projektinitiatoren jedoch nie erhalten. Es bleibt die Frage offen, ob auf diese Weise ein Engagement zur Verbesserung der Biodiversität wirklich gefördert werden kann.

 

Gabriele R. Winter, 07.02.2019