Vom artenarmen Grünland zum Insekten-und Schmetterlingsbiotop


Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung in Gambach bei der Einsaat

Naturlandstiftung widmet Grünflächen um
Jahrelanges Mulchen, intensives Düngen und die Gewinnung von Silage führen zwangsläufig zu rückläufigem Artenreichentum auf Grünlandflächen. Damit verlieren auch Insekten ihre Lebensgrundlagen.
Die Naturlandstiftung im Landkreis Gießen e.V. hat sich daher auf die Fahnen geschrieben, Projekte zu fördern, deren Ziel es ist, bestehendes Grünland durch Neuansaat artenreich und naturnah zu gestalten.
In Dorf-Güll, einem Stadtteil von Pohlheim, wurden zwei gemeindeeigene Flächen dafür zur Verfügung gestellt. Dazu mussten zunächst die bestehenden Pachtverträge überprüft und gekündigt werden. Nicht immer war der eingetragene Pächter auch  der Nutzer der Fläche.
In einer Nutzungsvereinbarung wurden die Gestaltung und die Nutzung festgelegt.
Um das Projekt auf solide Füße zu stellen, fertigte Dipl.-Ing.agr. Markus Wieden vom Büro für Landschaftsanalyse Wetzlar eine detaillierte Bestandsaufnahme der beiden Flächen an und beriet die Naturlandstiftung zur Anlage und Pflege.
Im Rahmen von Diversitätsmaßnahmen förderte das Regierungspräsidium Gießen die Maßnahme.
Zur Vorbereitung der Ansaat sollte der Boden unkrautfrei und frei von Pflanzenresten sein, die nochmals auskeimen könnten. Die beiden Flächen wurden daher im Herbst gepflügt. Im darauffolgenden Frühjahr konnte dann eine weitere Bodenbearbeitung durchgeführt werden. Durch Grubbern und Kreiseln entstand ein feinkrümeliges Saatbeet, in das der Samen möglichst oberliegend eingebracht und anschließend gewalzt wurde. Diese Arbeiten führte  Moritz Buss vom landwirtschaftlichen Betrieb Jung in Gambach professionell aus.
Die Fläche „vor dem Eschenröder“ (660 qm) wurde mit der Saatgutmischung „Blumenwiese“ klassisch“, Wildsaaten Wetzlar,  eingesät. Die Fläche hat eine lange Sonnenbescheinung, grenzt aber an eine Hanglage mit Weissdorn, der noch gestutzt werden sollte.
Markus Wieden wies daraufhin, dass es sich hier anbiete, einen Teil des Hangs als offenen Boden liegen zu lassen. Gerade diese Bereiche würden in der Landschaft immer weniger, böten aber vielen Tierarten Lebensraum.
Auf der Fläche „Am Wolfsgraben“ (3400 qm) wurde eine Glatthaferwiesenmischung, Wildsaaten Wetzlar,  verwendet. Zusätzlich wurde ein Schmetterlingssaum an den Rändern angelegt.

Mit dem Schafhalter Thomas Klee, Pohlheim-Holzheim, wurde die Pflege der Grundstücke vereinbart. Es erfolgt eine Mahd nach dem ersten Juli und eine schonende Beweidung durch Schafe im Herbst. Ziel ist dabei, dass die Flächen möglichst kurzrasig in den Winter gehen.
Durch die Klimaerwärmung und die damit verbundenen trockenen Frühjahre wird es immer schwieriger, solche Flächen erfolgreich anzulegen. Eine Einsaat im Herbst sollte dabei immer eine Alternative sein, da durchaus manche Pflanzen zum Auflaufen einen Kältereiz bräuchten. Werde im Frühjahr ausgesät, fände man sie dann erst im folgenden Jahr auf der Fläche, führte Markus Wieden aus.
Die Naturlandstiftung wird die Entwicklung der Flächen dokumentieren, das Projekt evaluieren und darüber berichten.

Gabriele R. Winter 04.04.2021

Freude macht die Vielzahl der Insekten, die durch diese Flächen angelockt werden.

Gabriele R. Winter, 10.07.2021


Erste Begehung der neu angelegten Wiesenflächen in Dorfgüll am 10.07.2021



Auf der Fläche "am Eschenröder" zeigt sich ein gleichmäßiger Bewuchs mit großer Artenvielfalt. Es fällt jedoch auf, dass zur Hecke hin die Pflanzenvielfalt nachlässt. Es ist zum Erhalt der Fläche daher weiterhin notwendig, die Hecke zu stutzen und in der Höhe zu begrenzen.


Die zweite Fläche "am Wolfsgraben" zeigt aufgrund der besseren Lichtverhältnisse höheren Bewuchs. Wieder fällt aber auf, dass zur Hecke hin das Pflanzenwachstum spärlicher wird.

Außerdem ist die Durchmischung der Saat beim Ausbringen nicht geglückt. In der Mitte der Fläche findet man verstärkt Gänsefuß, an der Randzonen einmal ein Horst mit Malven und ein zweiter Horst mit Kornblumen. Da dies alles hochwüchsige Pflanzen sind, wurden die anderen Arten, wie z.B. der Mohn unterdrückt. Es ist zu hoffen, dass in den nächsten Jahren eine bessere Durchmischung duch das Ausbringen der Samen stattfinden wird.


Neuangelegte Wiesenflächen in Dorfgüll im Spätsommer des 1.Jahres


Der bereits gemähte Streifen am Rand wird leider zur Hundetoilette genutzt, da direkt daran ein Weg führt, der von Hundebesitzern genutzt wird. 17 Kothaufen habe ich gezählt. Hier wäre es doch sinnvoller, die Fläche durch ein Flatterband zu begrenzen.



Die renaturierten Wiesenflächen in Dorf Güll sind für den Winter vorbereitet


Der Sommeraufwuchs wurde gemäht und als Heu gepresst. Das sollte möglichst erst Ende August geschehen, damit sich die Pflanzen genügend aussamen können. Auf dem dann kommenden Aufwuchs bis zur Frostperiode werden Schafe die Flächen kurz beweiden.

Gabriele R. Winter 29.09.2021